Münchner Gesellenmord vor 100 Jahren

Thema im Kirchenradio am Feiertag!

29.05.2019 | Völlig unschuldig sind vor 100 Jahren 21 Kolpingsöhne ermordet worden. In den Wirren der Münchner Räterepublik hatte man die Handwerksgesellen für Spartakisten gehalten. Jetzt erinnert eine Gedenktafel am Karolinenplatz an das blutige Geschehen, das als Münchner Gesellenmord in die Geschichte einging.
Foto: Simon Vornberger, Referent für Öffentlichkeitsarbeit

Vor genau 100 Jahren sind in München 21 Handwerkergesellen des katholischen Gesellenvereins St. Joseph (heute Kolpingsfamilie) brutal ermordet morden. An dieses Massaker, das sich nach der Niederschlagung der Münchner Räterepublik am 06. Mai 1919 abspielte, erinnert jetzt eine Gedenktafel am Münchner Karolinenplatz. Die Platte wurde am 06. Mai 2019 zusammen vom Kolping-Diözesanverband, der Stadt München, der Versicherungskammer Bayern, dem Sparkassenverband Bayern und der Initiatorin Dr. Hella Schlumberger eingeweiht. Auch Kolping-Mitglieder der ehemaligen Kolpingsfamilie St. Joseph waren bei der Einweihung anwesend.

Damals hatten sich die jungen Männer in ihrem Vereinslokal in der Augustenstraße getroffen, als Regierungstruppen und Freikorpsoldaten das Lokal stürmten. Es wurde behauptet die Gesellen seien Spartakisten (Anhänger der Revolution) und hätten eine verbotene Versammlung abgehalten. Obwohl die 26 Katholiken das dementierten, wurden sie abgeführt und in ein Arrestgebäude am Karolinenplatz getrieben. Dort hatte man sie getreten, mit Fäusten und Gewehrkolben brutal zusammengeschlagen und schließlich auf dem Hof und im Keller erstochen und erschossen. Lediglich 5 Personen überlebten schwer verletzt, 21 unschuldige Männer waren tot. Die damalige Revolution bzw. Gegenrevolution in München hatte wohl rund 1000 Leben gefordert – viele davon gänzlich unschuldig, wie die 21 katholischen Gesellen.

Bei der Enthüllung der Gedenktafel rief der Diözesan- und Landespräses des Kolpingwerkes Msgr. Christoph Huber deshalb dazu auf, niemals Menschen aus politischen, religiösen oder sonstigen Gründen zu denunzieren oder vorzuverurteilen, damit sich eine solche Gräueltat niemals wieder wiederhole.

 

Simon Vornberger, Referent für Öffentlichkeitsarbeit (Kolpinwerk DV München und Freising)

 

Hinweis zur Sendung:

 

Wieso es in den Münchner Bürgerkriegswirren zu diesem Massaker kommen konnte und wie die noch junge bayerische Demokratie darauf reagiert hat, erläutert der frühere Generaldirektor der Staatlichen Archive Bayerns, Hermann Rumschöttel, in der Kolpingstunde im Münchner Kirchenradio am 30.Mai 2019 um 16.00 Uhr und kann auch jederzeit im Podcast des Münchner Kirchenradios nachgehört werden.

 

Das Münchner Kirchenradio hat einen eigenen DAB-Kanal.

Weiter findet man im Internet über den Link Zugang zu den Radiosendungen: https://radio.mk-online.de/sendungen/kolpingstunde.html

 

 


Foto: Simon Vornberger, Referent für Öffentlichkeitsarbeit