Geistliches Eck

"Novemberblues"

Ich weiß nicht, woher ich diesen Begriff habe. Aber es gibt ihn! Die letzten Blätter fallen vom Baum, es wird kalt und ungemütlich, früh dunkel, …..

 

Das schlägt auf die Stimmung. Und dann noch diese ganzen Gedenktage für die Toten, Gräber sind zu richten, auf den Straßen trifft man vermummte Gestalten.

 

Da zünden viele in den Wohnungen Kerzen an, man macht es sich gemütlich so gut es geht, kocht warmen Tee, holt die Filzpantoffeln hervor. Und doch bleibt ein letzter Rest an Unbehaustheit. Es ist nicht Sommer, es ist nicht Winter, es ist nach dem Urlaub und vor Weihnachten.

 

Ein Bild für mein Leben? Es ist nach der Jugend, wo alles möglich schien, und es ist vor dem Ende, wo nichts mehr geht. Irgendwie dazwischen.

 

Und da versuchen viele auszukommen: die einen flüchten sich ins Warme, die anderen in die Hektik der Weihnachtsvorbereitung, Jahresendfeier oder was auch immer.

 

Doch ich, ich bleibe: im Zwischenraum. Es hat doch auch was für sich, im Übergang zu leben: Nicht schon alles wissen, nicht mehr alles mitnehmen müssen. Sich mal den kalten Wind und die Blätter um die Ohren wehen zu lassen und dann heimkommen, tropfnass. Mal so richtig in den Dreck langen, das gibt es doch auch in meinem Leben. Es gehört dazu. Aber es geht vorüber. Ich muss es nur erwarten können.

 

Einen guten November!

Diözesan- und Landespräses Msgr. Christoph Huber