Geistliches Eck

Hat der Mensch Freiheit...

 

Hat der Mensch Freiheit, so muß er doch auch wissen, was er damit anfangen soll; soll er  mit Freiheit handeln, dann muß er wissen wie, muß wissen warum und wissen wozu er handeln soll. Also muß er den Grund seines Handelns wissen,  und seinen Zweck wie Ziel und Bedeutung dessen, was ihm zu und untergeordnet ist in dieser Welt.

(Gelebtes Christentum S.25 KS 9, S.12)

 

„Dann kann ich endlich tun und lassen was ich wiiiillll..“ So ruft es Karl im Musikal Kolpings Traum hinaus, als er endlich aus der Enge seines Daseins ausbrechen kann und nach Köln in die grosse Freiheit zieht. Diese Beschreibung von Freiheit: tun und lassen können was man möchte, habe ich auch vor allem im Hinblick auf Urlaub: Endlich einmal tun können, was ich mir vorgenommen habe, nicht bestimmt werden von Terminen, auch einmal nichts tun dürfen, faulenzen, nur Dinge tun die Spaß machen und keinen Hintersinn haben wie Minigolf o.ä.

Andererseits kenne ich auch die Erfahrung, die sich in dem Spruch ausdruckt: Mama, müssen wir heute schon wieder tun, was wir wollen? Immer selbst etwas wollen, immer selbst gestalten ohne jeden Rahmen ist auf die Dauer sehr anstrengend, ja überfordernd. Ganz gerne kehre ich aus dem Urlaub auch wieder in die geregelten Bahnen des Alltags zurück.

Und das bringt mich zu dem, was Adolph Kolping in dem obigen Zitat für mich so genial beschreibt: Freiheit ist kein Selbstzweck, sie alleine macht nicht glücklich. Freiheit ist Vorraussetzung dafür, dass ich das tun kann, was ich möchte, das ist richtig. Aber was ich möchte ist gebunden an meine Fähigkeiten, an meine Ideale, an das, wo ich Lebenssinn erfahre, wo ich mich eingebunden weiss in eine kleinere oder grössere Gemeinschaft. Nur so gelingt Leben: wie mach ichs, warum mach ichs, wozu mach ichs (oder gerade nicht!) Erst wenn diese Fragen für mich innerlich beantwortet sind, erlebe ich freies Handeln, das den Sinn meines Lebens ausdrückt und mir auch bestätigt. Und die Antwort stellt auch Beziehung her zu den Menschen und Dingen um mich herum: Um deinetwillen tue ich etwas, was ich sonst nicht täte: Eine schönere Beschreibung von Erfüllung kenne ich nicht.