Geistliches Eck

Falsch verbunden!

Neulich erhielt ich einen Anruf, der mit den Worten begann: „Ich weiß gar nicht, ob ich bei Ihnen richtig bin, wahrscheinlich nicht.“  Es war eine Anfrage zur Baustellensituation vor unserem Kolpinghaus in München und natürlich bin ich da der falsche Ansprechpartner. Aber ich habe den Anrufer nicht verwiesen auf irgendeine Telefonnummer, wo er sich weiter durchfragen solle, sondern ich habe sein Anliegen aufgenommen und gesagt, ich werde mich darum kümmern. Weggeschickt, weitervermittelt, geht mich nichts an, solche Haltungen begegnen mir heute gefühlt öfters als früher. Man hat das Gefühl, es will keiner mehr was entscheiden, keiner will mehr wirklich Verantwortung übernehmen. Da kommt wohl auch ein großer Teil unserer Regulierungsvorschriften her, die das Leben häufig so kompliziert machen. Da ist es schon fast ein Erfolgserlebnis, jemanden zu treffen, der zuständig ist, kompetent, sich der Sache annimmt und bis zum Schluss zur Lösung dranbleibt. Und kommt da nicht auch viel Unsicherheit und Unbehaustheit her, die wir erleben? Menschen fühlen sich alleine gelassen, ohnmächtig, überfordert, weil sie nicht mehr durchblicken und auch durchdringen. Wie wohl tun da Menschen, die einander annehmen (und nicht wegschicken), die füreinander einstehen bis zum Schluss (und nicht unterwegs die Lust verlieren, wenn es kompliziert wird). So verstehe ich heute auch Kolpingschwester und Kolpingbruder zu sein: dableiben, einstehen, verlassen können, nicht weiterverweisen sondern mitgehen zur zuständigen Stelle und nicht locker lassen. So bringen wir heute ein großes Stück Menschlichkeit in unsere bürokratisierte Welt.

 

Diözesan- und Landespräses Msgr. Christoph Huber

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Präses Christoph Huber