Geistliches Eck

Maskenball

Bild: Michael Wittenbruch

Der Fasching bietet mir die Gelegenheit, in fremde Rollen zu schlüpfen. Verschiedenste Kostüme helfen mir, mich so zu verkleiden, wie oder was ich gerne wäre, ermöglichen mir Berufsbilder, Charaktere, Berühmtheiten… Nicht nur Äußerlich kann ich mich ihnen angleichen, sondern auch deren Wesenszüge nachahmen. Und wenn ich dann noch eine Maske aufsetze, werde ich nicht einmal erkannt als derjenige, der ich eigentlich bin und bleibe womöglich den anderen ein Rätsel.

Wenn ich so über einen Maskenball nachdenke, entdecke ich Parallelen zu meinem alltäglichen Leben: wie gerne wäre ich manchmal wer anders, würde gerne andere Rollen spielen, eine andere Stellung in der Gesellschaft einnehmen, berühmt sein, mich nicht mit den alltäglichen Dingen belasten wollen. Und manchmal möchte ich nicht als der erkannt werden, der ich wirklich bin – eben fehlerhaft und schwach, erfolglos und einer in der Masse… Und nicht selten bleibe ich anderen oder gar mir selbst ein Rätsel.

Es ist wohl eine lebenslange Aufgabe, mich so annehmen zu lernen, wie ich bin und mich mit meinen Lebensumständen anzufreunden. Aber es ist auch meine Aufgabe, etwas aus meinem Leben zu machen, mich einzubringen und meine Talente und Fähigkeiten zu entdecken – auch mit Hilfe anderer, im Gegenüber. Und manchmal ist es sogar angebracht, andere um Hilfe und Unterstützung zu bitten.

Als Christ weiß ich darüber hinaus, dass einer mich durch und durch kennt: Gott sieht mich und weiß schon um meinen Weg. Und er liebt mich so, wie ich bin. Er will das Beste für mich. Ein treuer Wegbegleiter, vor dem ich meine Maske ablegen darf und mich anschauen lassen kann, wie ich bin. Mit ihm als Gegenüber entdecke ich die Wahrheit meines Wesens und Lebens.

 

Bild: Michael Wittenbruch
In: Pfarrbriefservice.de

 

 

 

 

 

 

 

 

Gott hat deinen Kalender schon gemacht

© ulleo / Pixabay.com

„Wie tröstlich ist es doch, bester Vater, dass du meinen Kalender für das kommende Jahr schon längst und auf das Genaueste gemacht hast. So überlasse ich mich ganz deiner gütigen Vorsehung und kenne nur eine Sorge, deinen väterlichen Willen zu erkennen und zu erfüllen.“

Diese Sätze stammen aus der Jahresschlussandacht, die ich in den letzten Jahren mitgefeiert habe. Einmal habe ich den Satz auch selbst vorgelesen.

Da kam mir in einem Jahr dieser Satz ganz erleichternd vor: So ein Glück, Gott sorgt für mich, er hat alles schon gut gefügt, ich muss mich nur darauf einlassen.

In einem anderen Jahr kam aber Auflehnung: ich will doch selbst entscheiden, wie mein Kalender aussieht. Wo bleibt sonst meine Freiheit?

Was nun: bin ich selbstbestimmt oder kann ich nicht anders als das tun, was schon vorgesehen ist für mich? Kann ich mich nur meinem Schicksal ergeben oder anders gesagt, Gottes Fügung überlassen?

Tatsache ist, dass Gott mich kennt und um mich weiß. Jede Entscheidung, die ich im kommenden Jahr treffen werde, ist ihm schon bekannt. Er weiß schon jetzt, wie ich mich entscheide – und er wird mich deswegen nicht weniger lieben. Er wird mir auch die Freiheit nicht nehmen – im Gegensatz zu vielen und vielem anderen, das bzw. die mich bestimmen und beeinflussen – beruflich oder privat.

Im Rahmen meiner Möglichkeiten werde ich also frei oder eingeschränkt entscheiden und meinen Weg gehen. Aber eines kann ich sicher sagen: Gott geht diese Wege mit mir. Und wenn er auch die eine oder andere meiner Entscheidungen womöglich nicht gutheißt – er wird mich trotzdem lieben.

Mir geht ein Satz eines Liedes immer sehr nah, in dem es heißt: „Herr, ich danke dir, dass du mich kennst und trotzdem liebst.“

Für das neue Jahr wünsche ich euch, dass ihr euch seiner Liebe immer bewusst seid und bleibt. Dass ihr gute Entscheidungen trefft und eure Wege zuversichtlich geht – und euch nicht abbringen lasst von eurem unbändigen Vertrauen, dass Gott da ist und mich im Blick hat – liebevoll.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gott wird ein Mensch

Gott wird ein Mensch – um das unfassbare fassbar zu machen und uns zu sagen, dass er uns sieht und liebt. Um fassbar zu machen, dass Gott nicht nur im Außergewöhnlichen, sondern im Alltäglichen zu finden ist, dass er nicht unerreichbar ist, sondern sich sehen und hören lässt.

Gott wird ein Mensch – um uns göttlicher und menschlicher zu machen, unser Leben zu würdigen aber auch das aller anderen Menschen in gleicher Weise.

Gott wird ein Mensch – nicht, damit wir keine Fehler mehr machen, sondern dass wir zu ihnen stehen und aus ihnen lernen.

Gott wird ein Mensch – damit wir ihm glauben, dass unser Leben kein Ende hat und bei ihm vollendet wird.

Gott wird ein Mensch – damit wir sehen, wo wir seiner Nähe und seiner Heilung bedürfen.

Gott wird ein Mensch – damit wir in allen Menschen unsere Schwestern und Brüder sehen.

 

 

Ich wünsche allen ein gesegnetes und friedvolles Weihnachtsfest!

 

 

 

 

Bild: Markus Weinländer
In: Pfarrbriefservice.de

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Erwartungen

Bild: Christian Schmitt (Collage) / Michael Wittenbruch (Hintergrund) / geralt (Illustration) / Peter Weidemann (Füllmuster) In: Pfarrbriefservice.de

 

 

 

 

Mein Alltag besteht aus Erwartungen: an Menschen, an Ereignisse, an Politik und Gesellschaft, an mein Leben. Ich erwarte, dass es mir gut geht und die Welt friedlich bleibt, dass es keinen Krieg in unserem Land gibt und die Wirtschaft funktioniert, dass ich finanziell über die Runden kommen, dass mich andere wahr- und ernstnehmen…

 

So vieles kann ich erwarten – und auch nicht. Manches habe ich aufgegeben, weil von diesem oder jenem wenig oder nichts mehr zu erwarten ist. Manchmal werden meine Erwartungen zwar übertroffen, aber oft stelle ich einfach zu hohe Erwartungen an mich und andere. Und oft sage ich ganz selbstbewusst, dass der andere von mir bloß nichts zu erwarten hat oder dass er nicht einmal erwartungsvoll schauen soll, schließlich kann ich nicht alle Erwartungen erfüllen.

 

Der Advent ist traditionell die Zeit der Erwartung. Das Weihnachtsfest steht an, vielleicht Anlass, Besuch zu erwarten oder gut ausgesuchte und mit Liebe ausgedachte Geschenke. Aber auch eine Zeit, in der Erwartungen enttäuscht werden, weil ich es mir eigentlich viel besinnlicher und stimmungsvoller vorgestellt hätte und noch vieles zu erledigen gewesen wäre vor Weihnachten…

 

Unser Leben ist die Zeit großer und enttäuschter Erwartungen. Es ist nun einmal so, dass ich manche Erwartungen anderer nicht erfüllen kann und dass auch meine oft unerfüllt bleiben.

Doch wie ist es mit Gott? Was erwarte ich von ihm oder habe ich da meine Erwartungen auch schon längst aufgegeben?

 

Die Bibel spricht davon, dass er unsere Erwartungen alle erfüllen kann und wird – später einmal, am Ende der Zeit. Aber er tut es auch heute schon, indem sein Reich schon unter uns sichtbar und spürbar wird – dort, wo wir über unsere Erwartungen an andere sprechen, sie austauschen und klären. Wo wir unserer Enttäuschung Raum geben und sie aussprechen, damit mein innerer Friede wächst. Wo wir andere fragen, was sie eigentlich von uns erwarten und klären, was wir von ihnen erwarten würden. Wo Verständigung geschieht und das Verständnis wächst, dort wird Gottes Reich spürbar.

 

Oft braucht es nicht viel mehr, als ein offenes Wort – so wie damals in Bethlehem, als das ewige Wort Mensch geworden ist, damit wir in menschlichen Worten Göttliches kundtun. Worte haben Gewicht, schon aus unserem Mund und wie viel mehr aus dem Mund Gottes.

 

Das göttliche Wort ist ewig – und wir dürfen helfen, es in die Welt hineinzusprechen.

 

 

 

 

 

 

 

 

Steinig

Der November beginnt bei vielen mit dem Gang zu den Gräbern. In Stein gemeißelt stehen Namen und Daten von Verstorbenen, damit sie nicht vergessen werden.

Nicht vergessen werden sollen auch die Opfer der Novemberpogrome: Stolpersteine erinnern vielerorts an diejenigen, die in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 und viele Jahre danach Hass und Gewalt zum Opfer vielen.

Der 9. November gilt als „Schicksalstag der Deutschen“. An diesem Tag flogen Steine durch Synagogenfenster, es fielen aber auch die trennenden Steine der Berliner Mauer. Nach Jahren der Trennung war endlich wieder Freiheit spürbar.

Auch kirchlich gesehen ist der 9. November ein Schicksalstag. Die Kirche feiert den Weihetag der Lateranbasilika in Rom, Mutter und Haupt aller Kirchen Roms und des Erdkreises. Und 1897 wurde an diesem Tag der Deutsche Caritasverband gegründet, der seither vielen Menschen zum und ins Leben hilft.

Im ersten Petrusbrief hören wir: „Kommt zu ihm, Jesus Christus, dem lebendigen Stein, der von den Menschen verworfen, aber von Gott auserwählt und geehrt worden ist! Lasst euch als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen, zu einer heiligen Priesterschaft, um durch Jesus Christus geistige Opfer darzubringen, die Gott gefallen!“ (2,4-9).

Steine, die lebendig sind, die ein solides Fundament legen für Glaube, Hoffnung und Liebe gegen Steine des Anstoßes, die trennen, verletzten und töten. Ein Tag der Gegensätze in einer Welt voller Gegensätze.

Als Glaubende hören wir die Aufforderung Jesu, lebendige Steine zu sein und Leben für andere zu ermöglichen, aufzurichten und Halt zu geben – weil wir in Christus lebendig und heilig sind – nicht erst nach dem Tod, sondern schon in diesem Leben.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Goldener Oktober

(Bild: Johannes Wiesmann In: Pfarrbriefservice.de)

Es ist traumhaft schön, im Herbst durch Alleen zu fahren oder an Waldrändern spazieren zu gehen. Die bunten Blätter setzen schillernde Farbtupfer in unsere Landschaft und lassen durch die Herbstsonne die Gemüter erstrahlen.

Und doch sind die bunten Blätter Boten der Vergänglichkeit. Sie befinden sich im Zustand des Absterbens und Abfallens. Bald werden die Bäume ganz kahl dastehen, Winter und Kälte ins Land ziehen.

Mich macht dieses Naturschauspiel nachdenklich:

Was bleibt von dem, was ich schaffe und wirke – worauf kann ich in meinem Leben stolz sein?

Trägt es zur Freude für mich und andere bei und macht es mein Leben und das Leben anderer „bunt und farbenfroh“?

Was muss „sterben“, wovon muss ich Abschied nehmen, damit ich freier werde?

Es bedarf dann und wann der Reflexion, des Rückblickes auf meine Lebensjahre – ganz ehrlich und ungeschönt, aber auch mit einem gesunden Selbstbewusstsein für die Erfolge meines Lebens.

Im Nachdenken scheinen wertvolle Momente auf, die es sich lohnt zu hüten wie einen Schatz. Es gibt so vieles, was mich als Persönlichkeit auszeichnet und zu dem gemacht hat, was ich bin. Diese „goldenen Erfahrungen“ meines Lebens dürfen in mir glänzen und mich daran erinnern, dass ich wertvoll bin.

Und doch bestimmt letztlich nicht die Summe meiner Erfolge meinen Wert, sondern mein Dasein an sich. In den Augen Gottes bin ich einzigartig und wertvoll – das darf ich glauben und daraus erwächst eine Frucht, „die besser ist als Gold“ (Spr 8,19).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

11. Gebot: Du sollst Urlaub machen!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In Bayern haben wir nun endlich auch Sommerferien. Zeit zum Urlaub machen. Viele verreisen oder genießen die Zeit daheim. Einige sparen sich den Urlaub für die Nachsaison oder andere Zeiten auf und gehen ihren Alltagsgeschäften nach. Das hat auch was – ist vielleicht der Weg zur Arbeit entspannter oder der Kommunikationsdruck allenthalben geringer und man kann viele Dinge auf- und abarbeiten. Die Sehnsucht nach ruhigeren Bahnen jedoch überwiegt meist bei allen. Zur Ruhe kommen, um wieder aufnahmebereit, aufmerksam werden zu können, raus aus dem Alltagsgeschäft.

 

Am kommenden Samstag wird uns im Evangelium ein außergewöhnliches Ereignis geschildert. Die Jünger steigen mit Jesus auf einen hohen Berg. Verortet hat man diese Bergbesteigung seit dem dritten Jahrhundert in Galiläa auf den Tabor. Oben angekommen fallen alle dem Erholungsbedürfnis nachgebend vor Müdigkeit in den Schlaf – und beinah hätten sie die Begegnung Jesu mit Mose und Elija buchstäblich verschlafen. Um den Augenblick festhalten zu können schlägt Petrus Jesus vor drei Hütten zu bauen. Gleichsam den göttlichen Moment „einzuhausen“.

 

Nein, es kommt anders – nicht Hyperaktivität kann das Erlebte konservieren, sondern der neu gewonnene Blick auf Jesus und seine Botschaft. Taborerlebnisse nennen wir solche Momente. Damit wir diese bemerken braucht es Zeit und manchmal auch den richtigen Ort, ob im Alltag oder am Urlaubsort. Ob am Sandstrand, in den Bergen und vielleicht auch auf „Balkonien“.

 

Ich wünsche Ihnen viele Momente und viel freie Zeit. Tun Sie, was Ihnen gut tut! Verschlafen wir nicht die göttlichen Momente in unserem Leben, schon gar nicht im Urlaub. Arbeiten wir miteinander am „11. Gebot“, damit es sich nahtlos einbindet in die 10 bekannten Gebote Gottes für die Menschheit. Passt es doch zusätzlich zu diesen Geboten wie die B-Seite der Schallplatte des Lebens.

 

 

Evangelium: Lk 9,28b–36

In jener Zeit nahm Jesus Petrus, Johannes und Jakobus mit sich und stieg auf einen Berg, um zu beten. Und während er betete, veränderte sich das Aussehen seines Gesichtes und sein Gewand wurde leuchtend weiß. Und siehe, es redeten zwei Männer mit ihm. Es waren Mose und Elíja; sie erschienen in Herrlichkeit und sprachen von seinem Ende, das er in Jerusalem erfüllen sollte. Petrus und seine Begleiter aber waren eingeschlafen, wurden jedoch wach und sahen Jesus in strahlendem Licht und die zwei Männer, die bei ihm standen. Und es geschah: Als diese sich von ihm trennen wollten, sagte Petrus zu Jesus: Meister, es ist gut, dass wir hier sind. Wir wollen drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elíja. Er wusste aber nicht, was er sagte. Während er noch redete, kam eine Wolke und überschattete sie. Sie aber fürchteten sich, als sie in die Wolke hineingerieten. Da erscholl eine Stimme aus der Wolke: Dieser ist mein auserwählter Sohn, auf ihn sollt ihr hören. Während die Stimme erscholl, fanden sie Jesus allein. Und sie schwiegen und erzählten in jenen Tagen niemandem von dem, was sie gesehen hatten.

 

(Willi Breher)

 

 

 

 

Kolping International: Pfingstbotschaft von Generalpräses Msgr. Christoph Huber

Pfingsten:

Eingeschlossen aus Angst erleben die Jüngerinnen und Jünger Jesu auf einmal, dass die Botschaft der Auferstehung die Kraft gibt, sich vor nichts mehr zu verstecken. Auch unsere Gemeinschaft, die weltweit um Frieden betet, versucht zu helfen so gut es möglich ist und das Wissen teilt, dass wir mit Adolph Kolping einen heiligmäßigen Freund im Himmel haben, darf angstfrei auftreten und sagen: die Welt braucht uns und unsere Botschaft! Geben wir sie weiter durch unser Zusammenhalten, füreinander Beten und aufmerksam Bleiben für die Nöte der Zeit!

Ostern

Wenn man vom Ostermorgen spricht, spricht man doppelt vom Morgen.

 

Das Wort Ostern soll indogermanischen Ursprungs sein und die „Morgenröte“ bezeichnen. Auch kann man aus verschiedenen Quellen in Erfahrung bringen, dass die Germanen im frühen Mittelalter ein vorchristliches germanisches Frühlingsfest - zu Ehren einer Göttin der Morgenröte - mit dem christlichen Osterfest ersetzt hätten. Andere meinen, es kommt von der Himmelsrichtung – auch richtig, im Osten geht schließlich die Sonne auf.

 

Auf alle Fälle hat Ostern etwas mit einem frischen Licht, mit einem Beginn zu tun:

 

Karfreitag ist nicht das Ende, das ist die Hoffnung der Christenheit!

 

Und diese Hoffnung basiert auf Erfahrungen aus den Begegnungen der Menschen mit Jesus von Nazareth, seinen Worten, seinem Leben und seinem Sterben.

 

In den Ostererzählungen der Evangelien verdichtet sich dieses Wirken nachhaltig. Der weggewälzte Stein wird da zum Symbol der Auferstehung, der Befreiung und zum Sieg des Lebens über den Tod.

 

Der Mensch selbst hat diesen Stein vor das Grab gerollt, er findet sich ab mit dem von Menschen verursachten Totmachen: Mit der Ermordung von Soldaten und Zivilisten, mit den vielen Todesfällen, die vom Hunger in der Welt, von selbstgemachten Klimakatastrophen oder beispielsweise von Wirtschaftskriminalität verursacht sind. Um an Ostern nicht trübsinnig zu werden, lasse ich es bei wenigen Schlaglichtern des Übels.

 

Vielmehr geht es mir darum:

Gott ist es – nicht der Mensch – der diesen Stein vom Grab weg wälzt.

 

Das Evangelium erzählt von drei Frauen, die darüber nachdenken, wie sie die „Verschluss-Sache“, den Stein, vom Grabe wegbekommen sollen.

Viele Steine liegen auf unseren Herzen, wer wird sie wegrollen? Der Grabstein ist wohl der letzte und größte der Felsen unserer Existenz.

Doch, das Grab ist leer und der Stein weggewälzt!

 

Die Erfahrung wird zur Verheißung für alle Menschen, auch für diejenigen, die nicht daran glauben wollen oder können.

Die Verheißung ist mit Ostern kein Fake, sondern Faktum!

Der Ostermorgen – wir können ihn nicht verhindern, denn Gott selbst hat den Stein weggewälzt!

 

Ich wünsche Ihnen allen ein frohes und gesegnetes Osterfest!

 

Christus ist erstanden!

 

(Autor: Willi Breher)

 

 

 

 

 

 

 

Waffen für den Frieden?

Foto Erich Engl - Pfaffenhofen

"Dass die Hand abfaule dem, der eine Waff' zur Hilfe nähm!"

 

Unter dem Eindruck der Katastrophe des zweiten Weltkriegs und der Verstrickung des Deutschen Volkes in die Machenschaften der Nazi-Herrschaft zitierten namhafte Politiker diesen Satz. Vielen Kriegsdienstverweigern war dieser Satz die Leitlinie für ihre Entscheidung. Kriegsdienstverweigerer, so nannte man diejenigen, die sich statt dem Dienst in der neu aufgebauten Bundeswehr für einen sozialen Dienst als sog. Zivis, Ersatzdienstleistende entschieden und zu Beginn auch in einer juristischen Verhandlung diesbezüglich anerkennen lassen mussten.

 

Der brutale Überfall der russischen Armee unter dem Befehl einer skrupellosen Machtzentrale in Moskau macht es einem damals völlig überzeugten Pazifisten sehr schwer, an seiner Grundhaltung festzuhalten - zugegeben auch mir!

 

In vielen Gemeinden finden seit Beginn des Krieges in der Ukraine Friedensgebete statt. Immer wieder ist zu hören - was nützen Gebete, die ukrainische Armee braucht Waffen!

 

Wenn wir von den verzweifelten, verletzten und getöteten Menschen in den Medien hören und sehen und die vielen Flüchtlinge erleben, dann ist man mit der Friedensempfehlung Jesu "die andere Wange hinzuhalten" in einem schier unauflöslichem Dilemma.

 

Ist Notwehr unchristlich?

 

Der Heilige und Kirchengelehrte Augustinus versucht in seinen Schriften einen Krieg unter bestimmten Umständen als gerechtfertigt auszulegen. Er meinte damit nicht, dass Krieg als gutes Mittel zu rechtfertigen sei - aber im Hinblick auf die Abwägung des in Kauf zu nehmenden kleineren oder größeren Übels, gerade in einem Vernichtungskrieg wie wir ihn aktuell erleben müssen, zur Wiederherstellung des Rechts und des Völkerrechts in Erwägung gezogen werden kann.

 

Dennoch akzeptiere ich nicht die Aussage, dass Gebete hier nichts nützen - sie tragen bei, den Gedanken des Friedens nicht zu verlieren und geben den Menschen die Hoffnung und Zuversicht, die sie in dieser entsetzten und traurigen Situation brauchen.

 

Wir bestürmen einen Gott von dem wir sagen, dass er uns zu Hilfe eilt!

Diese Hoffnung wollen wir nicht verlieren, diese Hoffnung hält uns alle am Leben!

 

Beten wir weiter für den Frieden - Herr gib uns Deinen Frieden!

 

 

Foto: Erich Engl - Pfaffenhofen

 

(Autor: Willi Breher)

Generalpräses Kolping International: Aufruf zum Gebet für die Ukraine!

Seit über einer Woche dauert die russische Invasion in der Ukraine an. „Unsere Herzen und Gedanken sind bei den Menschen in der Ukraine und bei all denen, die in den letzten Tagen aus ihrer umkämpften Heimat geflüchtet sind.

 

Diese Menschen brauchen unsere Hilfe und unsere Gebete“, sagt Msgr. Christoph Huber, Generalpräses von KOLPING INTERNATIONAL. Für diesen Sonntag ruft er daher die weltweite Kolpinggemeinschaft zu einem Friedensgebet auf.

 

„Lasst uns unsere Stimmen zu Gott erheben, für einen baldigen Frieden in der Ukraine, für alle Menschen, die unter dem furchtbaren Kriegsgeschehen leiden und auch für alle, die ihnen in diesen Tagen so engagiert helfen.“

 

Alle Kolpingschwestern und Kolpingbrüder weltweit sind herzlich eingeladen, folgendes Gebet zu sprechen:


„Gott, wir rufen zu Dir und bitten Dich um Frieden und ein Ende des Krieges in der Ukraine. Wir bitten Dich um Mut und Ausdauer in der Hilfe. Wir bitten Dich um Segen für die Bemühungen zum Wohl der Menschen und für unsere Kolpinggeschwister.“

 

Hier zum Videobeitrag:

 

https://youtu.be/brW3Y4hL_kM

 

oder

 

https://fb.watch/bzkqtnjPlp/

 

Beten für den Frieden am 6. März 2022!

#prayforpeace #prayforukraine #kolping
 

Unrat im Sieb

„Im Sieb bleibt, wenn man es schüttelt, der Abfall zurück; so entdeckt man den Unrat eines Menschen in seinem Denken.“ Sir 27,4

 

Zum Sieben von Getreide benutzt man zweierlei Siebe – ein feinmaschiges Sieb, um die Körner zurückzuhalten und kleinere Sandkörnchen fallen durch, oder ein grobmaschiges Sieb, bei dem die Körner aufgefangen werden und dabei das Gehäckselte und der Unrat im Sieb zurückbleibt.

 

Nun gut, jeder Vergleich mag hinken, aber würde man das Gehirn eines Kriegstreibers einem Sieb unterziehen, so ist man zunächst angesichts des blutigen und zerstörerischen Überfalls des Präsidenten Russlands und seiner Vasallen dermaßen schockiert und wütend, dass man ohnmächtig gerne bereit ist, um der Sache willen diesen Vergleich zu ziehen.

 

Glaubt man den Publikationen und Berichten, dann ist das verdeckte Vorhaben über die 20 Jahre der Herrschaft hinweg nun vollends ausgeschüttelt und das Ergebnis präsentiert sich in dem, was im Sieb aktuell und wohl auch in der Geschichte hängenbleibt: Ein Morden und Zerstören um der Vorherrschaft und dem eigenen Geltungsbedürfnis willen.

 

Die Textsequenz aus dem Buch Jesus Sirach hatte sicherlich andere Vorgänge im Blick und ist auch aus seinem Zusammenhang gerissen, dennoch lädt er aktuell zum Nachdenken ein.

Was tun mit dem Unrat, der sich allenthalben im Sieb des Lebens ansammelt und droht übermächtig Platz zu greifen?

 

Es mag angesichts der Ungeheuerlichkeit des aktuellen Kriegsgeschehen banal klingen und soll auch nicht davon ablenken, aber seien wir uns doch mal ehrlich: Haben wir nicht alle unsere kleinen Kriegsschauplätze, Morasthaufen und „Gottseidank“ nicht die Macht dazu diese im Flächenbrand auf die Menschheit abzuladen.

 

In den sozialen Medien können wir uns da trefflich die Dinge um die Ohren hauen und ständig im Sieb der anderen wühlen. Nun gut, da wird keiner erschossen, aber das Bombardement mit Worten hat gerade junge Leute schon häufig in die Depression und sogar in den Suizid getrieben.

 

Im Lukasevangelium des vergangenen Sonntags fordert Jesus seine Jünger auf, ehrlich zu sein. Ehrlich zu sein auch im Hinblick auf das eigene Tun und Denken. „Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem eigenen Auge bemerkst du nicht?“

 

Ich denke mal, die Fastenzeit kam mit dem Aschermittwoch gerade rechtzeitig, um sich mit dem Schmutz und Unrat des eigenen Lebens zu befassen. Buße und Umkehr braucht es im Großen und im Kleinen.

 

Das mindert nicht das Leid der Menschen, die durch zerstörerischen Krieg ihrer Existenz und ihres Lebens beraubt werden. Unsere Gebete und Solidaritätsbekundungen brauchen aber auch ernsthafte und spürbare Zeichen der Selbstbesinnung und des Wandels, auch im Umgang mit Diktatoren, Gasleitungen und Geldkreisläufen.

 

„Kann etwa ein Blinder einen Blinden führen? Werden nicht beide in eine Grube fallen?“ (Lk 6,39)

 

Also Augen auf und mal im eigenen Sieb des Lebens nachschauen, was uns so alles blind machen kann.

 

(Autor: Willi Breher)

Christoph Wittmann